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Mutter Kind Haus Gilching
 

 

 

Aus der täglichen Arbeit …

 

 

 

 

 

Wir werden oft gefragt, was wir eigentlich im Mutter-Kind-Haus machen. Wer lebt bei uns? Wie gehen wir mit den Bewohnerinnen um?

Darum haben wir eine typische Lebensbeschreibung herausgegriffen, um Ihnen zu zeigen, wie wir arbeiten.

Frau Karin S., 27 Jahre, 2 Kinder, Mädchen 4 Jahre, Junge 2 Jahre, aus Gilching, verheiratet, der Kinder wegen zu Hause. Sie wendet sich an mich, die sozialpädagogische Leiterin des Mutter-Kind-Hauses. Sie hat vom Frauenbüro des Landratsamtes Starnberg meine Telefonnummer erhalten.

Frau S. kommt mehrere Male zu mir in die Beratung, weil sie große Eheprobleme hat. Ihr Mann, der sich gerade beruflich neu orientiert, verhält sich ihr gegenüber sehr dominant und aggressiv. Er ist kaum zu Hause. Er unterstützt sie nicht bei der Versorgung und Erziehung der Kinder. Er bevormundet Frau S. und wenn er zu Hause ist, kritisiert er sie ständig, beschimpft und demütigt sie, auch in Gegenwart der Kinder. Er hält sie  in finanzieller Abhängigkeit und glaubt, sie dadurch besser kontrollieren zu können. Trotz allem fühlt Frau S. sich an ihn gebunden und glaubt, ohne ihn nicht leben zu können. Sie hofft immer noch, dass er sich noch ändert. Sie ist sehr verunsichert und sucht immer wieder alle Schuld nur bei sich.

Der Ehemann selber reagiert nicht auf ihre vielen Versuche, die Beziehung zu klären und zu retten. Er sieht keinen Handlungsbedarf und findet, dass alles in Ordnung ist.

Die Kinder leiden unter den ständigen Streitereien der Eltern. Sie leiden an der depressiven Grundstimmung der Mutter. Sie leiden and der Unausgeglichenheit und Aggressivität des Vaters.

Es dauert fast ein Jahr, bis Frau S. sich endgültig dazu durchringen kann, den Mann, die gemeinsame Wohnung und damit die gewohnte Lebenssituation zu verlassen. Die Entscheidung fällt ihr nach wie vor sehr schwer, aber sie möchte sie jetzt schnellstmöglich umsetzen. Zufällig ist in unserem Haus gerade eine Wohnung frei und sie kann mit ihren Kindern bei uns einziehen, wobei sie ihr Vater und Helfer der Ökumenischen Hilfe unterstützen.

Frau S. muss nun verschiedenste Anträge bei unterschiedlichen Behörden stellen. Zum Beispiel: Wohnberechtigungsschein beim Wohnungsamt, Antrag auf Sozialhilfe, Antrag auf Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt etc.. Dabei unterstütze ich sie. Meine langjährigen guten Kontakte zu den Behörden im Landkreis erweisen sich zusätzlich als hilfreich.

Die ersten Monatsmieten kommen verspätet, weil die Anträge erst bearbeitet werden müssen, aber die Ökumenische Hilfe handelt unbürokratisch und stundet sie. Wir wissen, irgendwann laufen die Zahlungen.

Neben der Bewältigung des „Behördenwustes“ müssen sich Frau S. und die Kinder in der neuen Lebens- und Wohnsituation zurechtfinden. Frau S. nimmt mein Angebot wahr, in regelmäßigen Einzelgesprächen die unterschiedlichsten Gefühle, die auf sie einstürmen, zu bearbeiten.

Auf der einen Seite ist sie froh und erleichtert, endlich den Ablösungsschritt vom Ehemann geschafft zu haben.  Sie kann ihre neue Freiheit und den damit verbundenen Frieden genießen. Auf der anderen Seite belastet sie ihr schlechtes Gewissen heftig, dem Vater die Kinder „genommen“ und die Familie „zerstört“ zu haben.

•Schafft sie es alleine, den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden?
•Findet sie mit ihren Kindern jemals wieder einen neuen Partner?
•Was sagen die Leute dazu?
•Ist eine „unvollständige“ Familie weniger Wert?
•Hätte sie es der Kinder wegen nicht doch noch weiter aushalten sollen?
•Hat sie zu wenig unternommen, um die Ehe zu retten?

Gleichzeitig bedrängt sie der Ehemann, wieder zu ihm zurück zu kehren. Er beteuert Besserung. Einige Zeit später schlägt sein Verhalten um in

•Vorwürfe,
•Beschuldigungen,
•Unterstellungen, die Kinder zu vernachlässigen, und schließlich
•Kämpfe im Zusammenhang mit der Umgangsregelung.
•Er ist weder bereit, für die Kinder noch für sie Unterhalt zu zahlen.

Die Kinder reagieren äußerst unterschiedlich auf die Trennungssituation. Während das Mädchen sehr still, in sich zurückgezogen und offensichtlich um das Wohlergehen der Mutter bemüht ist, verhält sich der Sohn auffallend aggressiv und ist gleichzeitig extrem anhänglich. Frau S. findet aber nicht die nötige Ruhe und Ausgeglichenheit, um angemessen auf die kindlichen Hilferufe zu reagieren.

In zahlreichen Gesprächen und mit Unterstützung der anderen Bewohnerinnen des Mutter-Kind-Hauses, innerhalb der Gruppenstunden, findet Frau S. im Laufe der Zeit mehr und mehr zu ihrer eigenen Stärke zurück. Sie gewinnt zunehmend an Selbstsicherheit. Sie schafft es, sich nicht mehr so leicht verunsichern zu lassen und findet wieder Vertrauen zu sich selbst.

Es gelingt ihr immer besser, ihrem Mann gegenüber klar und entschieden aufzutreten. Bei den Begegnungen mit ihrem Mann während der Übergabe der Kinder schafft sie es mehr und mehr, zum Wohle der Kinder die persönlichen Konflikte mit ihm zurück zu stellen.

Die Trennung von Elternverantwortung und Paarkonflikt ist ein anstrengender und langwieriger Prozess, den auch der Ehemann noch mühevoll lernen muss.

Nach einem Jahr wird die Ehe geschieden und die Umgangsregelung mit den Kindern festgelegt. Die Übergabe der Kinder von einem Elternteil zum andren gelingt beiden mittlerweile weitgehend friedlich. Da beide Kinder nun einen Kindergartenplatz haben, muss sich Frau S. wieder um eine Beschäftigung in Teilzeit bemühen. Weil sie glücklicherweise eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, glaubt sie, schnell wieder eine Anstellung zu finden.

Aber der Umstand, allein erziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern zu sein, schreckt Arbeitgeber immer noch ab. Die durch die vielen Absagen sehr frustriertende, ergebnislose Suche nach einer Arbeitsstelle bewirkt leider wieder einen teilweisen Einbruch im neu erarbeiteten Selbstwertgefühl von Frau S. Zusätzlich muss sie sich nach einer neuen Wohnung umschauen, da die zwei Jahre bei uns bald abgelaufen sind.

Nach längerem Suchen findet sie zwar eine neue Wohnung in Gilching, zu ihrem großen Leidwesen aber immer noch keine Anstellung.

Die Helfer der Ökumenischen Hilfe unterstützen sie wieder beim Umzug und beim Einrichten der neuen Wohnung.

Im Rahmen der Nachbetreuung besteht anfänglich noch ein häufiger Telefonkontakt zu mir, der aber im Laufe der Zeit seltener wird.

In den zwei Jahren, die Frau S. im Mutter-Kind-Haus lebte, wurde in der sozialpädagogischen Begleitung, wie bei allen Bewohnerinnen das Hauptaugenmerk auf die Mutter gerichtet.

Auf die Probleme der Kinder wurde lediglich in den Beratungs- und Gruppenstunden in Form von Erziehungsgesprächen eingegangen.

Im Laufe der Arbeit mit den Müttern und Kindern hat sich immer deutlicher  herausgestellt, dass aber auch die Kinder eine ganz spezielle Unterstützung in solchen Umbruchsituationen benötigen.

Seit Beginn 2005 können wir nun mit Hilfe eines hierfür angelegten Spendenkontos regelmäßige spieltherapeutische Begleitung für Mutter und Kind durch eine Montessori Heilpädagogin anbieten. Hierdurch erfährt die Mutter eine Stärkung ihrer Erziehungskompetenz, die Kinder werden in der Aufarbeitung ihrer inneren Konflikte unterstützt und gezielt in ihrer Entwicklung gefördert.

Mit diesem Ansatz gelingt es uns, ganzheitlich Mütter und Kinder ihren Bedürfnissen entsprechend in einer schwierigen Lebensphase zu unterstützen.

 

 

Susanne Tietjens

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